HOME
 LVZ-West
 Texte&Bilder
 Literatur
 Aktuelles
 Museen
 Quellen
 Reiseberichte
 Termine
 Links
 Downloads
 Pressestimmen
 Impressum
 Datenschutz
E-MAIL_1

 

Allgemeine und spezielle Anmerkungen zur Entstehung der Festungsfront Oder-Warthe-Bogen

Text P. Waltje (1998 / Ver. 01/2025)


GESCHICHTLICHES

Mit Beendigung des 1. Weltkrieges am 11.11.1918 ergaben sich für das deutsche Reich mit Unterzeichnung des Versailler Vertrages große Probleme bezüglich der Sicherung der Grenzen des "Restreiches".

1. Allgemein wurden diese Probleme im Osten erzeugt durch:

- Proklamation der polnischen Republik am 3.11.1918 und den, im Versailler Vertrag festgelegten, Gebietsabtretungen Deutschlands an Polen.

Es waren dies:

  • der größte Teil Westpreußens und Danzig, welches unter Verwaltung des Völkerbundes kam (Danziger Korridor).

  • die Provinz Posen

  • Teile Ostpreußens

  • Teile Oberschlesiens (Teschener Land)

Da bis dato das so genannte Königreich Polen ("Kongress Polen") dem russischen Reich angegliedert war, sah sich das deutsche Reich plötzlich einer etwa doppelt so langen Grenzlinie gegenüber wie vor dem 1. Weltkrieg.
Nachdem im Versailler Vertrag die Gebietsforderungen Polens nicht vollständig erfüllt worden waren, Polen in der nun folgenden Zeit eine expansive Politik an den Tag legte (polnisch-russischer Krieg von 1920 mit Eroberung russischen Gebiets und weiterhin der Besetzung des Wilna- Gebietes), war es nach Meinung der deutschen Führung unerlässlich das Reichsgebiet gegen polnische Interventionen zu schützen.

Weiterhin ergab sich im Süden eine weitere neue Grenze zur Tschechoslowakei, die zu schützen war.

2. Militärische Probleme ergaben sich aus:

  • der Reduzierung der deutschen Streitkräfte auf 100.000 Mann

  • Verbot des Aufbaus einer leistungsfähigen Artillerie, Panzerwaffe und Luftwaffe.

3. Festungsmäßige Probleme:

  • Artikel 180 des Versailler Vertrages besagte, dass die befestigten Plätze an Süd- und Ostgrenze im gegenwärtigen Zustand verbleiben sollten.

  • Verboten war die Entwicklung und der Bau neuer Befestigungen.

  • Artikel 195 des Versailler Vertrages bestimmte eine Zone von 50 km Tiefe an der Ostseeküste, in der alle Befestigungen zu schleifen waren und in der keine weitreichenden Geschütze aufgestellt werden durften (freier Zugang zur Ostsee "Korridor").

Diese Bestimmungen wurden nochmals genauer am 31.1.1927 im Pariser Abkommen (Vereinbarung über die deutschen Grenzbefestigungen) definiert.

Aus allen diesen Beschlüssen und Verträgen ergab sich letztendlich, dass es mit den vorhandenen alten Festungen (in Preußen: Königsberg, Pillau, Feste Boyen, Marienburg; an der tschechischen Grenze: Königstein, Glatz, Neisse; an der Oder: Breslau, Glogau, Küstrin) unmöglich war die Reichsgrenzen zu schützen.
Weiterhin hätte man zur erfolgreichen Abwehr im Osten 21 Infanteriedivisionen und 3 Kavallerie-divisionen benötigt. Diese Aufgabe war also mit den vorhandenen Kräften von 7 Infanterie- und 3 Kavalleriedivisionen ebenfalls nicht zu erfüllen.

Versuche der Errichtung neuer Befestigungsanlagen wurden zwar unternommen ("Eilang-Lenze-Stellung", Glogau, Lötzen), jedoch schnell von der IMKK (Interalliierte Militär-Kontroll-Kommission) entdeckt und mussten zum größten Teil wieder beseitigt werden. Hierbei war die "Eilang-Lenze-Stellung" der erste Versuch das "Lebuser Tor" zu sperren.

Durch den Abschluss der Locarno-Verträge (16.10.1925) wurde Deutschland Mitglied des Völkerbundes und die IMKK musste daraufhin aus Deutschland zurückgezogen werden (31.1.1927), da die Kontrolle der deutschen Rüstung auf den Völkerbund über ging.
Dies war Anlass zur Bildung sogenannter "Grenzschutzverbände", die im A-Fall (Aufstellungs-Fall) erste Verteidigungsaufgaben zu übernehmen hatten. Weiterhin begann man mit der Planung von Landesbefestigungen, die letztendlich münden sollten in:

  • Befestigungen in Ostpreußen

  • Oder- Stellung (Breslau bis ostwärts Glogau)

  • Festungsfront Oder-Warthe-Bogen (damals noch Nischlitz-Obra-Linie)

  • Netze- Anschluss- Stellung

  • Pommern-Stellung (bis Ostseeküste)

Vollausbau dieser Stellungsbereiche sollte bis 1942 erreicht werden.

Kernabschnitt der Ostverteidigung sollte die FF OWB (Festungsfront Oder-Warthe-Bogen) werden, da hier die kürzeste Entfernung bis Berlin zu überwinden war (ca. 160 km).

Aufgrund der angespannten Haushaltslage und den Bestimmungen des Versailler Vertrages wurden sogenannte Armierungsstellung erkundet und vorbereitet (Stellungen, die erst im A-Fall ausgebaut werden sollten). Weiterhin begann man damit Hindernisse und Geländeverstärkungen anzulegen, da der Bau dieser, im Versailler Vertrag, nicht ausdrücklich verboten war. In dem uns interessierenden Bereich waren dies besonders Anstauanlagen in der Eilang-Lenze-Stellung und der Nischlitz-Obra-Linie.
Am 7.3.1936 stellte Hitler dann die Wehrhoheit des deutschen Reiches wieder her und erklärte am 20.4.1936 die "Schutzbereiche des Reiches“, deren Schwerpunkt eindeutig im Osten lag. Im Großen und Ganzen entsprachen diese den bereits geplanten Befestigungsbereichen.
 

 DIE FESTUNGSFRONT ODER-WARTHE-BOGEN

Während des Ausbaus der Oder-Stellung im Frühjahr 1928 und der der Pommern-Stellung etwa 1931/32 begann, befanden sich zwischen diesen beiden Linien (etwa zwischen Odereck (Tschicherzig) und Schwerin an der Warthe) keine ernstzunehmenden Befestigungen. Dies bedeutete, dass hier im Bereich des "Lebuser Tores" die Reichshauptstadt Berlin sich in nur ca. 160 km Entfernung von der Ostgrenze Deutschlands befand. Einzige Festungsanlage war hier die Festung Küstrin, von der es ca. 85 km bis Berlin waren. Da hier die Errichtung neuer Festungsanlagen aufgrund des Versailler Vertrages untersagt war, wurde natürlich nach dem Wegfall dieser Bestimmungen mit der sofortigen Armierung dieses Bereiches begonnen.

Bereits in der "Verbotszeit" begann man, in der für den A-Fall vorgesehenen Nischlitz-Obra-Linie (zwischen Großem Nischlitzsee bis Flußlauf der Obra und entlang derer Flusslauf bis zur Einmündung in die Warthe bei Schwerin) einzelne Schartenstände in der Ausbaustufe C (60 cm) zu errichten. 1934 begannen im Südabschnitt bis hin zur Oder Erkundungen um die Armierungszone durch weitere Bauwerke stärkerer Bauart zu verstärken und die natürlichen Wasserhindernisse durch künstliche zu ergänzen.
Bis 1937 wurden im Zuge dieser Ausbaumaßnahmen 33 Grabenabschnitte, 9 Stauanlagen und ein Ablasswerk errichtet. Durch diese Maßnahmen entstand im südlichen Bereich bis zur Oder ein 18 km langer Bereich mit Wasserhindernissen, dessen Hauptwasserreservoir der Große Nischlitzsee darstellte. Der Wasserzufluß wurde durch ein Ablasswerk, das Wasserschloss 602, am Südabfluss des Sees (Ausbaustärke A) geregelt.
In diese Stauräume wurden auch Wasserhindernisse integriert um ein Übersetzen mit Booten zu verhindern.
In den Jahren 35-36 wurden auch die meisten
Dreh- und Kipprollbrücken im FF OWB errichtet. Zeugnis von den Baujahren geben Wandinschriften in den Maschinenräumen dieser Brückenbauten.

Wenn die Befestigung des Oder-Warthe-Bogens aber einen wirksamen Sperrriegel vor Berlin darstellen sollte, war dieser eher stellungsmäßige Ausbau mit Wasserhindernissen völlig unzureichend. Bereits 1933 entstand die Konzeption eines in die Tiefe gestaffelten Festungskampffeldes. Am 15. Oktober 1935 wurde diese Konzeption von dem damaligen Oberbefehlshaber des Heeres Generaloberst v. Fritsch im Beisein des Inspekteurs der Pioniere und Festungen O.W. Förster, Hitler vor Ort vorgetragen und von diesem genehmigt. Diese Zustimmung führte zum Ausbau des stärksten deutschen Befestigungssystems.
Im Sommer 1936 begannen dann die Aktivitäten zum Ausbau der Festungsfront Oder-Warthe-Bogen in einer Gesamtlänge von ca. 90 km. (Ab diesem Zeitpunkt ist eigentlich erst von der FF OWB zu sprechen.)

Schwerpunkt der FF OWB sollte, aufgrund des hier befindlichen Höhengeländes und den damit günstigen Voraussetzungen für Schussfelder und Artilleriebeobachtung, aber auch völliges Fehlen natürlicher Panzerhindernisse, ein ca. 15 km breiter Abschnitt ostwärts Hochwalde (Wysoka) werden. Hier sollten 1/3 der geplanten Kampfanlagen errichtet werden, von denen ein großer Teil (51 Panzerwerke und 4 Panzer-Batterien von 111 projektierten Werken) durch ein umfangreiches Hohlgangssystem verbunden werden sollte.
Im einzelnen waren hier vorgesehen: 15 A-Werke, 13 A1 ("Schweige") - Werke, 79 B-Werke und 4 Panzerbatterien in A. In Nord- und Südabschnitt sollten die restlichen 2/3 der geplanten Panzerwerke errichtet werden, so dass insgesamt ca. 330 Anlagen geplant waren. Die Bauwerke der Nischlitz-Obra-Linie wurden in die FF OWB integriert.

Tatsächlich wurde der Vollausbau nie erreicht. Fertiggestellt wurden insgesamt 83 B-Werke und 16 C-Stände, davon 7 sogenannte "Hindenburgstände" (MG-Schartenstand mit Pak-Unterstellraum in C), von denen 21 B-Werke, im Zentralabschnitt, an das ca. 28 km lange Hohlgangssystem angeschlossen wurden. Begonnen, jedoch unvollendet blieben 1 PzBatt. in A (Pzbatt. 5) und 1 PzWerk in A (PzW A8).

Nebenbemerkung: Die Buchstaben, die den Werken und Ständen vorgesetzt sind bezeichnen die Ausbaustärken (Wandstärken):

A = 3,50 m

A1 = 2,50 m

B = 1,50 m

C = 0.60 m

Eine gewisse Tiefe, so dass man von einem "Festungskampffeld" (Synonyme: Festungsfront, befestigtes Gebiet) sprechen könnte, wurde lediglich im Abschnitt Hochwalde mit den PzWerken 772,773, 775, 778, 780 und 782 erreicht. Ansonsten ist die Festungsfront Oder-Warthe-Bogen, eine lineare Befestigung ohne Tiefe geblieben.

Das abrupte Ende der Baumaßnahmen an der FF OWB kam am 4. Juli 1938. Nachdem Hitler im Mai 1938 den Fortgang der Bauarbeiten am Oder-Warthe-Bogen kontrolliert hatte und bereits dort vor Ort ein vernichtendes Urteil über die Form und den Wert dieser dort errichteten Anlagen gefällt hatte ("wertlose Mausefallen ohne Feuerkraft mit ein oder zwei kümmerlichen MG-Türmen" oder "Festungen, die nur der Konservierung von Nichtkämpfern dienen") folgte am 1. Juli 1938 seine denkwürdige "Denkschrift zur Frage unserer Festungsanlagen" und damit verbunden, der sofortige Baustop des Ausbaus an der FF OWB am 4. Juli 1938. In dieser Denkschrift erklärt Hitler seine neuen Überlegungen über die Ausbildung von Befestigungen. Mitgetragen hat seinen Entschluss zum sofortigen Baustop sicherlich auch die Entscheidung der Errichtung einer Befestigung im Westen (Westwall), die er zu diesem Zeitpunkt als wesentlich wichtiger erachtete und das Wissen, dass es mit den vorhandenen Kapazitäten nur möglich war den Bau eines einzigen solch großen Befestigungssystems durchzuführen.

In den nun folgenden Jahren wurden die Einrichtungen der FF OWB systematisch ausgeschlachtet und in Westwall und Atlantikwall eingebaut.

Als sich dann 1944 die Front den deutschen Reichsgrenzen immer mehr näherte, wurde die Rearmierung der Anlagen befohlen. Allerdings standen nun weder ausreichend Techniker noch Ausrüstung, geschweige denn die 4300 Mann benötigter Truppen, die für die speziellen Aufgaben in den Panzerwerken ausgebildet waren, zur Verfügung. Viele der Anstauanlagen und beweglichen Brücken waren außerdem nicht mehr funktionsfähig.

Deshalb kam es wie es kommen musste, die FF OWB wurde am 29.1.1945 zwischen 20:00 und 22:00 Uhr in ihrem stärksten Abschnitt zwischen Kalau und Hochwalde ohne nennenswerten Widerstand, von der 44. Garde- Panzerbrigade, durchstoßen. Dabei profitierten die Soldaten, Angehörige der 1. weißrussischen Front unter General Shukow noch davon, dass die dort befindliche Straßensperre nicht geschlossen war.
Damit hatte auch die stärkste deutsche Befestigungslinie sich nicht im Abwehrkampf bewähren können und die russische Armee hatte das letzte ernstzunehmende Hindernis vor Berlin hinter sich gebracht.

 

DIE BAUWERKE

Die B- Panzerwerke

Wie schon weiter oben erwähnt, wurden in der FF OWB 83 Panzerwerke der Ausbaustufe B1 (1 m Wandstärke / 100 mm Panzerstärke) und B (1,50 m Wandstärke / 200 mm Panzerstärke) errichtet. Weiterhin wurden 12 MG-Schartenstände mit Pak-Unterstellraum („Hindenburg-Stand“) in der Ausbaustufe C (60 cm Wandstärke / 60 mm Panzerstärke) gebaut. Eine Panzerbatterie in A (3,50 m Wandstärke / 600 mm Panzerstärke), sowie ein Panzerwerk in A waren in Bau, wurden jedoch nicht fertiggestellt. Von den projektierten A1-Werken (2,50 m Wandstärke / 350 mm Panzerstärke) wurde keines gebaut oder auch nur begonnen. Verstärkt wurde die Festungsfront durch Feldstellungen und Ringstände (Tobruks) des Typs 58c.


Für die Systematik der B-Panzerwerke soll beispielhaft das
Panzerwerk 717 der Werkgruppe SCHARNHORST, als wohl bekanntestes, beschrieben werden. Der grundsätzliche Aufbau dieses Panzerwerkes kann auch auf die 32 B-Werke des Westwalls übertragen werden.

Das PzW 717 ist zweigeschossig und hat eine Grundfläche von etwa 26 m x 16 m. Die Längsseite des Werkes liegt parallel zur HKL (Hauptkampflinie), die Ausbaustärke ist B (1,50 m). Alle Panzerbauteile haben mit 250 mm (Schartenplatte der Kampfräume 100 mm) die für die Ausbaustufe B vorgesehene Stärke.

Im oberen Stockwerk befinden sich die Kampf- und Beobachtungsplätze:
· 2 x 6- Schartenturm für 2 MG 34 - 20 P7
· 1 x Panzerturm für Infanteriebeobachtung - 438 P01
· 1 x Panzerturm für Maschinengranatwerfer M 19 - 424 P01
· 1 x Festungsflammenwerfer, FN- Gerät - 420 P9

Die Führungsräume befinden sich in der Mitte des Werkes. An der Kehlseite finden sich ein Eingang (typisch für Werke mit Hohlgangsanschluß- sonst 2), und eine flankierende Anlage für 1 MG 08 oder 34 - 7 P7.

Im Untergeschoß finden sich die „Sozialeinrichtungen“ wie Küche, Sanitätsraum, Abortanlagen, Ruheräume und Lüfterraum.

Weitere Unterkunftsräume, Maschinenraum und Munitionsräume sowie die Brunnenanlage befinden sich bei diesem Werk auf dem Hohlgangsniveau (sonst in den unteren Stockwerken). Dieser ist über ein 5 m breites Treppenhaus mit Aufzug zu erreichen. Die Panzerwerke waren allesamt gasdicht.

Bei all diesen Panzerwerken, wie auch den B-Werken des Westwalls, handelt es sich um eigene Konstruktionen, die den jeweiligen Gegebenheiten angepasst wurden. Es gab 1 - 4 geschossige Pz- Werke, solche mit 3-Schartentürmen, 3- und 6-Schartentürmen oder auch MG-Kasematten mit Scharten- und Deckenplatte. Auch gibt es sogenannte aufgelöste Werke, bei denen der einzelne Waffen abgesetzt vom Hauptwerk sind, wie auch solche, die nur vom Hohlgang aus zu erreichen sind.

Bei der Betrachtung dieser Panzerwerke sind die Bedenken Hitlers über das unausgewogene Verhältnis Waffen : Besatzung : Bauwerk nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen. Sind hier doch unter großem Aufwand lediglich 4 Maschinengewehre, 1 Maschinengranatwerfer (Reichweite max. 600 m), 1 Flammenwerfer (Reichweite max. 50 m) und ein Maschinengewehr in der flankierenden Anlage in einem riesigen Bauwerk mit 1 bis 4 Stockwerken und eigener Energie- versorgung untergebracht. Ganz zu schweigen von dem gewaltigen Hohlgangsystem und einer Besatzung von durchschnittlich etwa 90 Mann speziell ausgebildeter Festungstruppen!
Anders hätte die Sache sicherlich im Vollausbau der FF OWB ausgesehen, wenn Panzerbatterien und die Panzerabwehr-Batterien in das Gesamtsystem integriert gewesen wären.

Die Panzerbatterie 5 in A

Im südlichsten Abschnitt des Hohlgangsystems wurde mit dem Bau dieser Batterie mit drei (Dreh-) Türmen begonnen. Eingesetzt werden sollten hier die 105 mm Kanone in Drehturm oder 150 mm Haubitze in Drehturm. Der Einsatz der 150 mm Haubitzen ist hier wahrscheinlicher, da in den allgemeinen Planungen des Waffenamtes 105 mm Kanonenbatterien mit 4 Geschütztürmen und die 150 mm Haubitzbatterien mit 3 Geschütztürmen ausgestattet werden sollten. Am weitesten fortgeschritten im Bau ist hier der Turm 3. Fertiggestellt sind das Untergeschoss sowie der Hohlgangsanschluß. Die Bauten, vor allem die Turmschächte, wurden mit Ziegelbauwerken getarnt.
Der Hohlgang bildet hier eine große Schleife ("Burschener Schleife") mit zwei Bahnhöfen, großen Munitionsdepots (7 Stück und jeweils 5 kleinere pro Geschütz). Angeschlossen waren hier die Panzerwerke 713, 714, 715 und 766 der Werkgruppe JAHN, die über einen eigenen Bahnhof (Konrad) verfügten. Die oberirdischen Anlagen der Batterie wurden nie fertiggestellt.

Das Panzerwerk A8

Auch dieses Werk wurde nicht fertiggestellt. Es ist das am weitesten östlich gelegene Panzerwerk des Zentralabschnittes und befindet sich unmittelbar hinter der Höckerlinie. über die geplante Waffenausstattung ist nichts bekannt. Jedoch drängt sich die Vermutung auf, dass es zur Panzerbekämpfung dienen sollte und mit Pak-Drehtürmen oder Pak-Kasematten ausgestattet werden sollte. Zusammen mit den Panzerwerken 721, 722, 724 (den stärksten an der FF OWB), gehörte es zur Werkgruppe YORK. Auch diese Werkgruppe war an das Hohlgangssystem angeschlossen und besitzt einen umfangreichen Magazinbereich ("Nipter Schleife").

Die "Hindenburg- Stände"

Diese Anlagen sind bis dato nur im Bereich der FF OWB gefunden worden. 7 Stück dieser zweistöckigen Anlage in der Ausbaustufe C (60 cm Wandstärke) wurden hier errichtet. Es handelt sich um einen MG-Schartenstand mit einem Pak-Unterstellraum (3,7 cm Panzerabwehrkanone), aus dem die Pak zum Feuerkampf in eine bereits vorbereitete Stellung herausgefahren werden musste. Interessanterweise ist das untere Stockwerk in Ziegelmauerwerk gebaut. Auch diese Anlagen hatten eine eigene Energieversorgung.

Diese C- Stände wurde auch getrennt, dann jedoch als Doppel-Maschinengewehrschartenstand und Pak-Unterstellraum, als jeweils einstöckige Anlage nebeneinander gebaut. Von diesen Ausführungen der C-Stände wurden 8 weitere Bauwerke errichtet, wobei sich der Doppel-MG- Schartenstand und der Pak-Unterstellraum in unmittelbarer Nachbarschaft finden. Die Bauwerke tragen entweder unterschiedlichen Nummern, die gleichen Nummern oder den Zusatz a und b. Diese C-Stände dienten dem Schutz der beweglichen Brücken und sind dort regelmäßig zu finden.

Der Begriff  “Hindenburgstand” ist nicht zeitgenössisch. Er wurde von polnischen Festungsforschern, die sich mit der Erforschung der FF OWB befasst haben, geprägt.

Der Hohlgang

Auch die geplanten 35 km Hohlgang wurden nicht fertiggestellt. Jedoch wurden davon immerhin 28 km vollendet. Damit ist dieses System das größte geschlossene was je gebaut wurde.
Gemäß der Ausbaurichtlinien (A) ergaben sich Tiefen von 4,50 m bis 7 m unter gewachsenem Fels und 21 m unter Lehmboden. Daraus errechnet sich zum Beispiel für das Panzerwerk 717 ein ca. 20 m tiefer Treppenschacht.
Die Beförderung der Güter im Hohlgang wurde mit elektrischen Grubenbahnen auf Feldbahn- gleisen durchgeführt. Bahnhöfe befanden sich im Abstand 700 - 800 m und konnten Züge bis zu einer Länge von 250 m aufnehmen.
Es gab 7 verschiedene
Hohlgangsprofile, die hier fast alle anzutreffen sind.
Z.B. sind dies :
· Bahnhofsprofil (4 m lichte Weite)
· Hauptverkehrsprofil (2,80 m lichte Weite)
· Feldbahnprofil (2,30 m lichte Weite) in den Verbindungshohlgängen  
Auch findet man hier das                                                                                                                                                                                                  . .     erweiterte Förderbahnprofil (1,60 m) und das                                                                                                                                                                       · zweigeschossige Unterkunftprofil (4,60 m).

Das Hohlgangsystem verfügt in den Planungen über 3 Haupteingänge und 2 Nebeneingänge, bei denen jedoch keinerlei Eingangsbauwerke (A) zur Sicherung dieser extrem empfindlichen Bereiche errichtet wurden. Auch diese fielen dem Baustopp von 1938 zum Opfer.
Als interessante Einrichtungen finden sich in den Verbindungshohlgängen Hohlgangskasematten zur Verteidigung der Zugänge zu den Hauptverkehrshohlgängen.

 

Panzerbauteile

  • Schartenplatten für Maschinengewehr (08, 34, 37 (t)) auf Schartenlafette 08 mit entsprechendem Gewehrträger:

                              - 6 P7 (200 mm)
                              - 7 P7 (100 mm)
                              - 10 P7 ( 60 mm)

  • Panzerscharten- undDeckenplatte:

      • - 4 P7 (200 mm)

  • Panzertürme mit 3 Scharten für MG 34:

      • - 2 P7 (200 mm)
        - 3 P7 (120 mm)
        - 60 P8 (250 mm)

  • Panzertürme mit 6 Scharten für MG 34:

      • - 20 P7 (250 mm)
        - 35 P8 (120 mm)

  • Pak-Kasematte für 3,7 cm Pak:

      • - 29 P8 (200 mm)

  • Panzerturm für Maschinengranatwerfer M 19:

      • - 34 P8 (250 mm) mit Stahlgussunterbau
        - 424 P01 (250 mm)

  • Stahlring für FN- Gerät:

      • - 420 P9 (120 mm)

  • Panzertürme für Infanteriebeobachtung:

      • - 52 P8 (250 mm)
        - 438 P01 (250 mm)

  • Kleinstglocken für Infanteriebeobachtung:

      • - 9a P7 (60 mm)
        - 23 P8 (120 mm)


Waffen

Mg 08:

Kadenz: 500/min
Kaliber: 7,92 mm
Kampfentfernung aus Türmen: 2000 m (max. 3500 m)

Mg 34:

Kadenz: 900/min
Kaliber: 7,92 mm
Kampfentfernung aus Türmen: 2000 m (max. 3500 m)

M 19:

Kadenz: bis 120/min
Kaliber: 5 cm
Kampfentfernung: 20 - 600 m

Pak 3,7 cm in Kasematte oder Turm:
Kadenz: 20 - 25/min
Kaliber: 3,7 cm
max. Schussweite: 6400 m
panzerbrechenden Wirkung (Panzergranatpatrone): auf 500 m / Auftreffwinkel 60°::29 mm Panzerstahl (80- 100 kg/qmm Festigkeit)

Lange 10 cm Kanone in Drehturm:
Kadenz: 5 - 6/min
Kaliber: 105 mm
max. Schussweite: 19000 m

Schwere 15 cm Haubitze in Drehturm:
Kadenz: 4 - 5/min
Kaliber: 149 mm
max. Schussweite: 15500 m

FN- Gerät:

Wurfvolumen: 120 ltr.
Wurfweite: 40 - 50 m
Wurfdauer: 1,5 min
Pause zwischen 2 Würfen: 2 min
Flammölvorrat: 2500 ltr.


 

Copyright P. Waltje, Niederhambach 1998

 

 - Arbeitseinteilung beim Erstellen von “A” Bauwerken

 - Erfahrungen des Baujahres 1937 // Besichtigungsbemerkungen

 - Einbauanweisungen fuer Panzerteile 20 P7, 35 P8, 60 P8, 61 P8, 407 P9, und 414 P9