DIE LUFTWAFFENREGELBAUTEN DER LUFTVERTEIDIGUNGSZONE WEST
(P. Waltje
v. 02/94 Ver. 01/25)
Allgemeines
Im Zuge des Ausbaus der Landesbefestigung West (1937-1940) entstand
östlich des eigentlichen Westwalls die Luftverteidigungszone West (LVZ- West) in einer Tiefe von bis zu 100 km (Bauzeit 1938/39). In ihr waren die Flak-Batterien der Luftwaffe eingesetzt, deren Aufgabe es war, das Reichsgebiet vor einfliegenden Feindflugzeugen zu schützen. Daraus ergibt sich, dass ihre Anlage resp. ihr Ausbau in den Händen der Luftwaffe lag.
Die Bauausführung wurde durch die Organisation Todt (OT), den Reichsarbeitsdienst (RAD)
und zivile Baufirmen sicher gestellt.
Um die Luftabwehrbatterien auch im Erdkampf zu schützen entstanden einerseits Bunkerbauten zum Schutz der Geschützbedienungen, andererseits infanteristische Bunkerstellungen
ähnlich denen des Heeres, da die LVZ West zusätzlich im Bereich zwischen
Schweich an der Mosel bis etwa Speyer als zweite Heeresstellung vorgesehen war. Die taktischen Einsatzrichtlinien waren die
gleichen wie die des Heeres an der Westgrenze: ein gestaffeltes System kleiner und kleinster Anlagen, in der sich ein Gegner, trotz Ausschaltens einzelner Kampfanlagen, festlaufen sollte (Stellungskampffeld).
Trotz gleicher Aufgabenstellung, entwickelte die Luftwaffe für diesen Einsatz sieben eigene Regelbauten, die sich sehr stark an
die entsprechenden Heeresregelbauten anlehnten. Sie wurden mit Buchstaben gekennzeichnet. Während
die ständigen Befestigungen des Westwalls in dieser Ausbauphase
(LIMES-Bauprogramm) in den ersten Entwürfen mit den Ausbaustärken B1 (1 m
Wandstrke) und
C (0,60 m Wandstärke) entworfen wurden, wurden diese Entwürfe im Laufe des Jahres 1938,
durch direkte Einflussnahme Hitlers, auf Wand- und Deckenstaerken B (1,50 m)
verstärkt. Die Rückwände der Anlagen blieben bei 1,00 m wie auch die
Innenwände bei den ursprünglichen Stärken verblieben. Die Entwürfe der
Bunker der LVZ-West zeigen bereits diese Ausbaustärke und wurden auch in dieser
gebaut. Einige wenige Bauwerke in der LVZ-West sind bekannt, die in der
Ausbaustärke B1v (Decken- und Aussenwände 2,00 m und Rückwände 1,50 m) gebaut
wurden. Sämtliche Bauten waren gasdicht ausgelegt, die Innenausstattungen
entsprachen denen der Heeresregelbauten, wobei jedoch tatsächlich Einrichtungsgegenstände aus eigenen Beschaffungsprogrammen der Luftwaffe verwandt wurden (z.B. Drehkolbenluefter LS 3 und Ofen SO 23).Grundsätzlich waren in diesen Anlagen Panzereinbauteile gemäss „Panzeratlas“ vorgesehen. Durch Versorgungsengpässe wurden jedoch auch hier eigene Panzerbauteile verwandt, die in dieser Form
(bis auf eine Ausnahme) nicht im „Panzeratlas“ zu finden sind. Die oft vertretene Auffassung, dass diese Panzerbauteile aus Bauwerken der tschechischen Landesverteidigung ausgebaut wurden, konnte bis heute nicht bestätigt werden.
Die Anlagen
B MG-Schartenstand
F Doppelgruppenunterstand
K Kommandostand (für Flak-Untergruppemstäbe)
M Munitionsunterstand
Pz Pak-Unterstellraum
U Doppelgruppenunterstand mit flank. Anlage
V Gruppenunterstand am Vorderhang
1. B-Stand: Maschinengewehrstand mit Schartenplatte
(ursprüngliche Bezeichnung: "Stand für Beobachtung")
Größe: 6,20 x 8,35 m
Besatzung: 6 Mann
Betonmasse: 182 m³
Dieser Stand ist die einzige Kampfanlage der Luftwaffenentwürfe und wurde
aus dem Regelbau B 1-1 (Zeichnungsnummer: 170 B9) des Pionierbauprgrammes
entwickelt und erhielt die Zeichnungsnummer: 170 B9 (Luft).. Der Kampfraum ist hier gleichzeitig Aufenthaltsraum für die
Besatzung. Als Besonderheit besitzt dieses Bauwerk ein Sehrohr mittig im
hinteren Bereich des Raumes. Als Hauptwaffe wurde hier des Öfteren ein MG 26 (t)
nachgewiesen. Diese Anlage kostete in der ursprünglichen Ausbaustufe B1 ca. RM 27.000.
Von diesem Bauwerk existieren mehrere Varianten. So gibt es eine Version ohne Eingangsüberdachung,
die oberirdisch gebaut und als Haus (mit Satteldach) getarnt war, eine weitere als passive Anlage ohne Schartenplatte und eine Version mit einer Treppenscharte, die mit einer schwächeren und kleineren Platte ausgestattet ist. Von dieser Version konnten bis heute
nur 3 Exemplare gefunden werden.
2. F-Stand:
Unterstand für eine Gruppe (ursprüngliche Bezeichnung: "Unterstand nach dem Entwurf des Führers")
Größe: 7,60 x 10,80 m
Besatzung: 18 Mann
Betonmasse: 289 m3
Dieser, wohl am häufigsten in der LVZ West gebaute Stand, ähnelt dem LIMES-Regelbau 10a. In jedem der beiden gleich großen Räume konnten 9 Mann untergebracht werden. Er ist jedoch vom Entwicklungszeitpunkt her später einzuordnen als U-Stand, da hier die Panzertüren in
den gebrochenen Eingangsfluren und nicht, wie bei den älteren Entwürfen, mit der Aussenwand abschließend eingebaut wurden. Die Anlagen weisen in den gebrochenen Eingangsfluren angebrachte, niedrige Türen auf (1,10 m). Der Entwurf dieses Bauwerkes stammt von Hitler persönlich.
3. K-Stand:
Kommandostand für Flak-Untergruppenstäbe
Größe: 8,00 x 16,00 m
Besatzung: 24 Mann
Betonmasse: 454 m3
Die Anlage diente zur Unterbringung von z.B. Flak-Untergruppenstäben. Sie ist an den LIMES-Regelbau 31 (Div.-Gefechtsstand) angelehnt. Für dieses Bauwerk existieren keine Unterlagen
über
die Funktion der einzelnen Raeume. Im LIMES-Regelbautyp 31 dienten die beiden großen Räume an den Schmalseiten dem Kommandeur, seinem Adjutanten und der Fernsprechvermittlung. Neben dem Kommandeursraum ist der Arbeits- und Aufenthaltsraum der Offiziere, neben der Fernsprechvermittlung lag der Raum für die Melder. Der zentral gelegene Raum diente als Geschäftszimmer. Man darf sicherlich annehmen, daß im K-Stand die Raumbelegung entsprechend war.
Im Gegensatz zum LIMES-Regelbau 31waren hier bereits Türen mit normaler
Durchtrittshöhe (1,80 m) vorgesehen und eingebaut. Wegen der Wichtigkeit dieser Anlage war sie mit zwei Notausgängen versehen.
Der Entwurf dieser Anlage stammt ebenfalls von Hitler persönlich.
Als Anl.4 liegt eine Skizze Hitlers über den soeben beschriebenen Stand bei, die weiteren Aufschluss über die Raumbelegung gibt.
Von dieser Anlage existieren nur noch zwei intakte Bauwerke.
4. M-Stand: Munitionsunterstand
Größe: 5,00 x 12,60 m
Besatzung: -
Betonmasse: 153 m3
Die Anlage besteht aus zwei 3,00 x 4,80 m großen Munitionsräumen, die direkt durch jeweils eine 1,20 m breite Tür betreten werden können.
Alle bis dato gefundenen Anlagen weisen jedoch, abweichend von den Originalplänen, 0,80 m breite Türen auf.
Von dieser Anlage existiert auch eine einräumige Variante mit schwächeren Wandstaerken
(0,80 m) und nur einer Eingangstür, die mit dem Praefix Ml (leicht) versehen wurde.
Es besteht auch die Möglichkeit in diesen Anlagen Soldaten
unterzubringen. Dazu müssen dann entsprechend der Belegungsstärke Betten
nachgerüstet werden.
Es ist zumindest ein Bauwerk bekannt, in dem sich Lichtnischen und
Kleiderhaken befinden!
5. Pz-Stand: Pak-Unterstellraum
Größe: 7,60 x 13,25 m
Besatzung: 15 Mann
Betonmasse: 361 m3
Diese Anlage diente zur Unterbringung einer 3,7 cm Pak, sowie derer Bedienungsmannschaft (6 Mann). Weiterhin bot sie im größten Raum Platz für
eine Infanteriegruppe (9 Mann). Als weitere Besonderheit besaß sie eine Infanteriebeobachtungskleinstglocke. Die eigentliche "Pak-Garage" war mit einem zweiflügelige Panzertor verschlossen.
Die Infanteriegruppe konnte die Anlage durch einen separaten Mannschaftsausgang verlassen.Auch hier ist die "modernere" Anbringung der größeren Eingangstüren im gebrochenen Eingangsflur zu beachten. Diese Anlage
ähnelt dem Heeresregelbau 504, dem jedoch, als Hauptunterscheidungsmerkmal, die Kleinstglocke mit dem zugehörigen
Beobachterraum fehlt und daraus folgend auch keine Nahverteidigungsscharte in den Pak-Unterstellraum besitzt.
Von dieser Anlage existiert nur noch ein intaktes Exemplar, in dem sich sogar noch die Kleinstglocke befindet.
6. U-Stand:
Doppelgruppenunterstand (mit flankierender Anlage)
Größe: 6,80 x 13,10 m
Besatzung: 27 Mann
Betonmasse: 343 m3
Dieser Bunker entspricht dem LIMES-Regelbau Nr. 11 (breiter Unterstand für 2 Gruppen). Einziger Unterschied ist der etwas größere rechte Raum des Luftwaffenstandes, sowie die beiden zusätzlichen Nahverteidigungsscharten des Regelbau 11 in die Gasschleuse. Besonderheiten an diesem Bauwerk sind die, beim FStand bereits erwähnten, kleinen, mit der Außenwand abschließenden Panzertüren, zwei getrennte Eingangsschleusen, sowie die flankierende Anlage, die durch eine gasdichte
(Blech-) Innentür von den übrigen Räumen abgetrennt ist. Weiterhin sind die Scharte der flankierenden Anlage wie auch der Haupteingang durch eine
Überdachung geschützt.
Von dieser Anlage existiert auch eine etwa gleich oft gebaute Variante, von der es keinen vergleichbaren Heeresregelbau gibt, nämlich die Ausführung dieses Bauwerkes ohne flankierende Anlage.
7. V-Stand: Gruppenunterstand am Vorderhang
Größe: 7,60 x 9,75 m
Besatzung: 12 Mann
Betonmasse: 270 m3
Diese, sehr selten (29 Exemplare) gebaute, Anlage ähnelt dem LIMES-Regelbau Nr. 10b1 (Doppelgruppenunterstand am Vorderhang). Abweichend von diesem ist die große, gemeinsame Gasschleuse, die nach innen gelegten Eingangstüren, sowie der nicht unterteilte Aufenthaltsraum, der sich natürlich aus der Bestimmung für nur eine Gruppe ergibt.
Bei diesem V-Stand handelt es sich wohl um den einzigen Stand, der von der Luftwaffe, ohne eine direkte Parallele zu einem Heeresregelbau zu haben, für besondere eigene Bedürfnisse konzipiert wurde.
Von diesem Bauwerk existiert nur noch ein intaktes Exemplar!
Selbstverständlich sind bei allen diesen Anlagen (bis auf den M-Stand) die Eingangsbereiche durch die
üblichen Nahverteidigungsscharten gesichert. Auch weisen alle Anlagen, bis auf den F-Stand, normalerweise, mindestens einen Notausgang auf. Es wurden jedoch auch schon F-Stände mit einem Notausgang gefunden.
Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass sich in der LVZ-West
verschiedene Typen von verbunkerten Wasserbehältern, Pumpstationen und Quellen
befinden.
Auch finden sich noch Reste von Strassensperren (Dreh-Schranken), sowie Abschnitte von Höckerlinien Typ 1938 und 1939, die als Bestandteil der zweiten Heeresstellung zu betrachten sind.
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