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4. Arbeitsbegehung der Arge HFM / Der Atlantikwall im Pas-de-Calais

In der Zeit vom 11. - 13.4.97 trafen wir uns am Atlantikwall, genauer gesagt im Raum Pas-de-Calais, um uns hier, vor allem, der Besichtigung der deutschen Schwerstbatterie zu widmen.

Bedingt durch die Fuelle der hier zu sehenden Objekte, begannen die ersten Besichtigungen bereits unmittelbar nach Bezug der Unterkuenfte. Auch die weiteren Tage waren charakterisiert durch einen engen Zeitplan, was dem Unternehmungsgeist der Exkursionsteilnehmer jedoch keinen Abbruch tat.

Besichtigungspunkte am ersten Tag waren die Batterie „Großer Kurfuerst“ und die unmittelbar am Cap Griz Nez liegende Batt. „Griz Nez“. Die Kasematten der Batt. „Gr. Kurfuerst“, die mit 28 cm Drehtuermen bestueckt waren, wurden nachhaltig gesprengt, so dass lediglich grosse Truemmerhaufen etwas von der Groesse dieser Bunker erahnen liessen. Interessantestes Objekt der Batt. „Griz Nez“ ist wohl ein Marineregelbau für Mammut- Radar (V 143), dessen Eingaenge mittlerweile leider zugeschuettet sind, so dass eine Besichtigung der Innenraeume leider unmoeglich war.

Am naechsten Tag, dem Hauptbegehungstag, wurden die Batterien „Crèche I - III“ bei Boulogne s. M. besichtigt. Es handelt sich hier um den westlichen Eckpfeiler der grossen Batterien in der Region Pas-de-Calais. Hierbei ist die Batt. „Crèche I“, als der wohl interessanteste Teil dieser dreiteiligen Anlage, auf dem Gelaende eines alten frz. Kuestenforts errichtet, von dem noch die Kaserne, sowie einige Waelle und Munitionsraeume in den Traversen erhalten geblieben sind. Von dieser Batterie im Norden von Boulogne hat man einen grossartigen Blick ueber Stadt und Hafen der Stadt.

Nach Abschluss dieses Begehungsabschnittes fuhren wir zurueck in Richtung Cap Griz Nez, um in Wimereux einen sogenannten „Dombunker“, einen Unterstellraum für Eisenbahngeschuetze, zu besichtigen. Nach einer opulenten Feldverpflegung in Ambleteuse, wie ueblich von der Arge HFM organisiert, wurde das dort befindliche, von Vauban errichtetet, „Ancien Fort Mahon“ besichtigt. Es stellt ein Batteriefort dar, welches die Aufgabe hatte die ehemalige Hafeneinfahrt zu schuetzen. Im Hinterland des Forts finden sich noch mehrere Atlantikwallanlagen wie mehrere Doppelgruppenunterstände (622) und ein Unterstellraum für Pak (629).

Der Rest des Tages wurde der Batterie „Todt“ und dem sich in Kasematte 2 befindlichen Museum gewidmet. Die Sammlung dort ist immer wieder als grossartig zu bezeichnen, wobei jedoch nicht unerwaehnt bleiben soll, dass sie oft lieblos zusammengestoppelt erscheint. Besonders die Ausstellungsstuecke in den Aussenanlagen legen hiervon beredt Zeugnis ab. Ein besonders gutes Beispiel wie ein derartiges Museum aussehen kann liefert das „Musée 1939 - 1945“ in Ambleteuse, welches sich gar nicht weit von hier befindet. Natuerlich wurden auch die unzaehligen Wandmalereien in der Kasematte 4 gezeigt.

Tag 3 der Begehung hatte noch einige Hoehepunkte zu bieten. Zuerst wurde das Cap Blanc Nez aufgesucht und die dort befindlichen Anlagen erkundet. Von hier kann man bis England blicken und die ganze Strecke von Calais bis zum Cap Griz Nez erblicken. Im Hinterland lag die groesste Batterie in Frankreich, die Batterie „Lindemann“, die mit ihren 40,6 cm Kanonen in drei gewaltigen Kasematten verbunkert war. Diese drei Kasematten sind dem Bau des Kanaltunnels zum Opfer gefallen und unter dem Spuelfeld für dem Abraum der Bohrung verschwunden. Von dieser Batterie konnte noch der Leitstand demonstriert werden, der sich jedoch, bedingt durch seine Sprengung, in einem sehr schlechten Zustand befindet. Naechstes Ziel war die Batt. „Oldenburg“ am Ostrand von Calais, wo auch die verdiente Mittagspause eingelegt wurde. Die beiden Kasematten für 24 cm Kanone sind in recht gutem Zustand, da sie hier recht versteckt und vergessen stehen. Sie besitzen uebrigens noch die Stahlverkleidung ihrer „Todt- Fronten“.

Ca. 2000 m oestlich von „Oldenburg“ befindet sich die Batterie „Waldam“ mit dem einzigen je gebauten Betondrehturm, die nach einem kleinen Fußmarsch erreicht wurde. Hier tat sich ein besonderer Leckerbissen fuer den Festungsinteressierten auf, da praktisch die gesamten Gebaeude dieser Batterie noch erhalten sind. Dementsprechend lange wurde hier verweilt.

Als letzter Besichtigungspunkt wurde die Batterie „Zuydkoote“, oestlich von Duenkirchen angefahren. Diese Batterie wurde ausgewaehlt, um eine Batterie zu demonstrieren, die entsprechend des Standartschemas einer deutschen Kuestenbatterie errichtet und auch mit sehr typischen Regelbauten ausgestattet wurde. Interessanterweise wurde auch diese Batterie auf dem Gelaende einer ehemaligen frz. Kuestenbatterie errichtet.

Nach der Besichtigung dieser Batterie waren wir am Ende unseres Besichtigungsprogrammes angekommen und die Teilnehmer wurden verabschiedet.

Einige ganz Unentwegte blieben sogar noch einen Tag laenger um sich noch einige besondere Bauwerke anzusehen.

Abschliessend bleibt zu sagen, dass auch diese, wenn auch recht allgemein gehaltene, Begehung guten Anklang gefunden hat. Weiterhin verschwinden jedes Jahr immer mehr der altbekannten Anlagen, so dass nur geraten werden kann den Atlantikwall in diesem Bereich bald zu bereisen, da sich dort immer weniger ausgefallenes finden laesst.

Als Wermutstropfen bleibt zu nennen das Hotel Normandie in Wissant, dessen Besitzer Herr Davies auch Besitzer des Museums in der Batterie Todt ist. Wir waren der Meinung dort aufs Beste bedient zu werden, was sich jedoch leider als Irrtum herausstellte. Um dies nicht unnoetig zu vertiefen sei nur gesagt, dass von einem Bezug dieses Hotels abgeraten sei.

Bem.: Die Begehungsunterlagen koennen selbstverstaendlich ueber die KRAWA VG bezogen werden.

P. Waltje, September 1997